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Strategie

8 Min.

Was kostet Praxismarketing? Ehrliche Zahlen statt „kommt drauf an“

Leon Woo

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Marktübliche Richtwerte aus Erstgesprächen und laufenden Mandaten – keine Preisliste.

Gestapelte Münzen auf einem Tisch

„Was kostet das?“ ist die häufigste Frage im Erstgespräch – und die, auf die die meisten Agentur-Websites keine Antwort geben. Das hat einen Grund: Die ehrliche Antwort besteht aus Spannen, nicht aus einem Preis. Aber Spannen kann man nennen. Dieser Artikel macht genau das: reale Richtwerte für jeden Baustein, drei typische Gesamtbudgets und die Rechnung, ab wann sich welches davon trägt.

Die wichtigste Unterscheidung zuerst: Werbebudget ≠ Agenturleistung

Der häufigste Denkfehler bei Marketingkosten: alles in einen Topf zu werfen. Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Ausgaben:

  • Mediabudget – das Geld, das an Google, Meta oder andere Plattformen fließt. Es kauft Sichtbarkeit und ist pro Monat frei skalierbar.

  • Leistung – das Geld für Strategie, Umsetzung und Betreuung, egal ob an eine Agentur, einen Freelancer oder in die Arbeitszeit des eigenen Teams.

Wer ein Angebot über „2.500 € im Monat“ bekommt, muss als Erstes fragen: Wie viel davon ist Mediabudget? 2.500 € Leistung plus 1.000 € Mediabudget ist ein völlig anderes Angebot als 2.500 € inklusive allem – im zweiten Fall bleibt nach Werbekosten oft zu wenig Leistung übrig, um sauber zu arbeiten.

Die Bausteine und ihre realen Preisspannen

Praxis-Website (einmalig): 3.000–15.000 €. Die Spanne erklärt sich über Umfang und Anspruch: Eine schlanke, schnelle Praxisseite mit Behandlungsseiten liegt am unteren Ende; eine Klinik-Website mit vielen Behandlungen, mehrsprachig, mit Buchungs- und Funnel-Logik am oberen. Baukasten-Websites für 500 € gibt es – sie kosten später, wenn sie weder ranken noch konvertieren.

Google Business Profile & Bewertungsaufbau: 0–300 €/Monat. Der unterschätzte Baustein mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Das meiste ist Prozessarbeit (Bewertungen systematisch erfragen), die eine Praxis selbst leisten kann.

SEO & Content: 800–2.500 €/Monat laufend. Darunter ist selten echte Arbeit möglich – ein fundierter medizinischer Ratgeber-Artikel inklusive Recherche, HWG-Check und Einbau kostet allein mehrere Stunden Fachkraft. SEO ist der langsamste Kanal (3–6 Monate bis zur messbaren Wirkung), dafür der einzige, dessen Ergebnis bleibt, wenn man aufhört zu zahlen.

Google Ads: 600–3.000 €/Monat Mediabudget plus 300–800 €/Monat Betreuung. Unter etwa 20–30 € Tagesbudget kommt bei Klickpreisen von 3–6 € zu wenig Datenvolumen zusammen, um die Kampagnen überhaupt lernen zu lassen. Was dabei auf der Kostenseite schiefgehen kann, haben wir im Detail aufgeschrieben: Google Ads für Plastische Chirurgie.

Social Media & Video-Content: 1.000–4.000 €/Monat, je nach Produktionstiefe. Der große Kostentreiber ist Video: Ein professioneller Drehtag mit Schnitt für einen Monat Reel-Content liegt deutlich über dem, was reines Posten von Grafiken kostet – bringt aber auch eine andere Wirkung, gerade in vertrauensgetriebenen Fachrichtungen.

Funnel & Conversion-Optimierung: oft im Paket enthalten, einzeln 500–2.000 € einmalig. Der Baustein, der aus vorhandenem Traffic mehr Anfragen macht – meist der schnellste Hebel, wenn schon Besucher da sind, aber keine Anfragen kommen.

Drei realistische Budgets – und was sie leisten

Szenario 1: Eigenleistung mit System (0–500 €/Monat + eigene Zeit).
Google Business Profile pflegen, Bewertungen systematisch aufbauen, Website-Basics sauber halten. Das ist kein „Marketing light“, sondern das Fundament – und für eine ausgelastete Einzelpraxis ohne Wachstumsziel oft genug. Grenze: Neue Patientengruppen oder planbare Selbstzahler-Anfragen entstehen so nicht.

Szenario 2: Wachstum (1.500–3.500 €/Monat gesamt).
Ein Hauptkanal wird professionell bespielt (z. B. Google Ads auf eigene Behandlungsseiten oder SEO/Content), dazu Conversion-Pfad und Messung. Das ist die Spanne, in der die meisten wachstumsorientierten Praxen real landen – und die Spanne, in der ein Dienstleister ehrlich arbeiten kann, ohne an der Qualität zu sparen.

Szenario 3: Lokale Marktführerschaft (ab 5.000 €/Monat).
Mehrere Kanäle parallel: Content-Produktion mit Video, Ads auf mehreren Behandlungen, SEO-Ausbau, ggf. Employer Branding. Sinnvoll für Kliniken und Praxen mit mehreren Behandlern, OP-Kapazität und klarem Expansionsziel – vorher nicht.

Die Rechnung, die wirklich zählt: Was kostet eine gewonnene Patientin?

Budgets vergleichen ist sinnlos, solange man nicht auf dieselbe Kennzahl schaut: Kosten pro gewonnenem Patienten – und dessen Umsatz dagegen.

Beispielrechnung: 2.500 € Monatsbudget im Selbstzahler-Bereich

  • 2.500 € Monatsbudget → 12 qualifizierte Anfragen (≈ 200 € pro Anfrage)

  • Aus 12 Anfragen werden 3 Behandlungen → rund 830 € pro gewonnener Patientin

  • Bei 1.200 € Umsatz pro Eingriff ist das knapp; bei 4.000–8.000 € (ästhetische Chirurgie) trägt ein einziger Eingriff das Monatsbudget mit Gewinn.

Dieselbe Rechnung erklärt, warum ein 500-€-Budget in umkämpften Selbstzahler-Märkten fast nie funktioniert: Es kauft schlicht zu wenige Versuche, um verlässlich auch nur eine Behandlung im Monat zu gewinnen.

Für Kassenpraxen dreht sich die Rechnung: Dort geht es selten um mehr Patienten, sondern um die richtigen – Privatleistungen, bestimmte Behandlungsfelder, Entlastung durch bessere Vorqualifizierung. Mehr dazu im Beitrag Patientengewinnung.

Woran Sie erkennen, dass ein Angebot Geld verbrennt

Fünf Warnsignale im Angebot

  • Pauschale ohne Aufschlüsselung: „Alles drin für 999 €“ – fragen Sie, wie viele Stunden Leistung und wie viel Mediabudget darin stecken. Die Antwort ist meist ernüchternd.

  • Lange Laufzeit ohne Messplan: 12 Monate Bindung, aber keine Antwort auf die Frage, welche Kennzahl nach 3 Monaten erreicht sein soll.

  • Keine Branchenkenntnis: Wer das Heilmittelwerbegesetz nicht kennt, produziert Inhalte, die Sie abmahnbar machen. Was erlaubt ist, lesen Sie hier.

  • Berichte über Klicks statt Anfragen: Wenn im Monatsreport Impressionen und Klicks stehen, aber keine Anfragen und keine Kosten pro Anfrage, wird die falsche Größe optimiert.

  • Alles auf einmal, sofort: Fünf Kanäle gleichzeitig bei 2.000 € Budget heißt: keiner davon richtig.

Checkliste: Diese Fragen stellen Sie jedem Anbieter

Fünf Fragen an jeden Anbieter

  1. Wie viel vom Angebot ist Leistung, wie viel Mediabudget?

  2. Welche Kennzahl definiert Erfolg – und wann wird sie gemessen?

  3. Wer produziert die Inhalte, und wer prüft sie auf HWG-Konformität?

  4. Was passiert mit Website, Inhalten und Konten, wenn wir kündigen?

  5. Wie wird gemessen, wenn ein Großteil der Besucher dem Tracking nicht zustimmt?

→ Sie wollen erst wissen, wo Ihre Praxis steht, bevor Sie über Budgets reden? Machen Sie die kostenlose Praxis-Einschätzung (2 Minuten)

Fazit: Nicht das Budget entscheidet, sondern die Reihenfolge

Praxismarketing kostet real zwischen „fast nichts plus Disziplin“ (Fundament in Eigenleistung) und mehreren tausend Euro monatlich (lokale Marktführerschaft). Teuer wird es nicht durch die Höhe des Budgets, sondern durch die falsche Reihenfolge: Werbung auf eine Website schalten, die nicht konvertiert. Fünf Kanäle anfangen und keinen zu Ende bauen. Billig einkaufen und doppelt bezahlen. Wer erst das Fundament baut, dann einen Kanal richtig und erst danach den nächsten, bekommt bei jedem der drei Budgets ein System, das sich rechnet.

Wie dieses System im Ganzen aussieht, zeigt unser Praxismarketing-Guide. Oder Sie fragen uns direkt im kostenlosen Erstgespräch – mit einer ehrlichen Einschätzung, welches Szenario zu Ihrer Praxis passt, auch wenn es das kleinste ist.

Welches Szenario passt zu Ihrer Praxis?

Im kostenfreien Erstgespräch rechnen wir mit Ihnen durch, was Ihre Praxis braucht – und was nicht. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, welches Budget sich bei Ihnen trägt, auch wenn die Antwort lautet: erst einmal das Fundament in Eigenleistung. Ohne Pitch-Theater.

Leon Woo, Gründer der UNITED Digitalagentur

Leon Woo

UNITED Digitalagentur — spezialisiert auf Markenaufbau und Patientengewinnung im Premium-Medizinbereich.